Hoch über der Stadt und dem Ankommenden schon bald ins Auge fallend, steht eines der größten Einzeldenkmale Eisenachs: das Burschenschafts-denkmal. Gewidmet ist es den Angehörigen der verschiedenen deutschen Burschenschaften, die in den Kriegen, welche Preußen und Deutschland gegen Dänemark, Österreich und Frankreich zwischen 1864 und 1870 um die Herstellung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates führte, gefallen sind. Die Traditionen, die die Burschenschaften mit Eisenach verbinden, reichen allerdings schon in den Oktober 1817 zurück. Damals versammelten sie sich am Fuß der Wartburg, um hier ihre Forderung nach der Schaffung eines einheitlichen deutschen Staates zu postulieren. Seit dem kamen sie mit ziemlicher Regelmäßigkeit hierher zurück, um ihre Jahrestreffen in Eisenach durchzuführen.

In den Achtzigern des 19. Jahrhunderts entstand die Idee für das Denkmal. Das Hauptproblem war die Beschaffung des Geldes. Jahrelang wurde gesammelt; mancher architektonische Entwurf gesichtet und wieder verworfen. Am 8. Juni 1897 legte man auf dem Wartenberg den Grundstein für das Denkmal. Hier hatten sich bereits 1817 die Burschenschafter versammelt. Später verwarf man den Standort aber wieder. Als Alternative bot sich die Göpelskuppe, im Besitz der Eisenacher Unternehmerfamilie Bornemann, an. Und hier begannen schließlich 1900 die Bauarbeiten nach den Entwürfen des Dresdener Architekten Wilhelm Kreis. Fertiggestellt war das Monument 1902. Die Bauarbeiten realisierte die Eisenacher Firma Gustav Stein. Die Innenausgestaltung lag in den Händen mehrere Künstler. Das Deckengemälde und die Fenster schuf Otto Gussmann, die heute nicht mehr vorhandenen Statuen im Inneren (Kaiser Wilhelm I., Kanzler Otto von Bismarck, Großherzog Carl August sowie die Generale Moltke und Roon) wurden von Selmar Werner, August Hudler und Hermann Hosaeus modelliert.

Der Bau bildet einen klassischen Rundtempel. Neun dorisierende Säulen von fast 14 Metern Höhe symbolisieren die einzelnen Burschenschaften. Im oberen Teil sind in Halbplastik die Köpfe Armin des Cheruskers, Karls des Großen, Martin Luthers, Albrecht Dürers, Johann Wolfgang von Goethes und Ludwig van Beethovens zu sehen.

Eine wechselvolle Geschichte prägte das am 22. Mai 1902 eingeweihte Denkmal in der Folgezeit. Erhielt es 1933 an seinem Fuß eine weitere Gedenkstätte, die, an die gefallenden Burschenschafter des Ersten Weltkrieges erinnernd, 1945 teilweise beseitigt wurde, so vermochte man nach 1945 lange Zeit nichts rechtes mit dem Bau anzufangen. Inhaltlich wollte man sich nicht mit dem Gedankengut der Burschenschaften identifizieren, und so gab es Pläne, das Denkmal abzureißen oder zu einer Sternwarte umzugestalten. 1991 erhielten die Burschenschaften das Denkmal wieder zurück. Seit dem wurde es schrittweise saniert. Heute bildet es einen wichtigen, aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenkenden Anziehungspunkt sowohl für Gäste Eisenachs wie auch für die Einheimischen selbst.


Das Burschenschaftsdenkmal

Herzlich willkommen beim Geschichtsverein Eisenach e.V.

06.11.2018

18.30 Uhr

Novemberrevolution


 Vortrag: Dr. Reinhold Brunner / Eisenach

Erste Bürgerschule stand auf der Esplanade in Eisenach

14 000 Taler wurden gebraucht, aber die Stadt hatte kein Geld. Der Großherzog hat geholfen

08. Februar 2018 / 02:30 Uhr


















Die heutige Georgenschule war die erste Bürgerschule in Eisenach. Sie ist 1825 eingeweiht worden. Bei der baulichen Gestaltung vor allem des Treppenhauses hat Johann Wolfgang von Goethe ein Wort mitgeredet. Foto: Katja Schmidberger


Eisenach. Der Eisenacher Stadtrat hatte schon immer mit knappen Finanzen zu kämpfen. Das wurde im Vortrag von Barbara Schwarz am Dienstagabend deutlich. Auf Einladung des Geschichtsvereins sprach sie im Nachbarschaftszentrum in der Goethestraße zur Entwicklung des Schulwesens in Eisenach im 19. Jahrhundert. Ihr erster Vortrag hatte die Zeitspanne vom Mittelalter bis zur Goethezeit beleuchtet. Am Dienstagabend folgte die Fortsetzung.

Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung. Der Arbeiter, der beispielsweise die erste Kammgarnmaschine bedienen musste, benötigte allgemeine Kenntnisse. Die Wissensvermittlung in den Elementar- oder Stadtviertelschulen reichte nicht mehr aus. 1817 führte Großherzog Carl August die Sonntagsschule wieder ein, die nach dem Kirchgang stattfand. Der Unterricht wurde vom Pfarrer und Lehrer gehalten.

Lehrer wurden erstmals sozial abgesichert, erhielten 100 Taler, einschließlich Naturalien, und später eine Rente. „Das ist auf das Wirken der Klassiker zurückzuführen“, betonte Barbara Schwarz. In Eisenach gab es seit 1818 ein Lehrerbildungsinstitut. Anfangs war es in die Lateinschule (das heutige Luther-Gymnasium) integriert. Später hatte es ein eigenes Haus am „Schwarzen Brunnen“, das nicht mehr steht. Kinder, die kein Schulgeld zahlen konnten, sind in der Freischule zusammengefasst worden. Diese wurde mit dem Lehrerseminar verbunden, und die Seminaristen hatten dort ihre Schulproben abzuhalten. Nach einer Verordnung von 1821, wonach sich Kinder in der Schule „wohlzufühlen haben“, entschied sich der Stadtrat zum Bau einer Bürgerschule. Doch das Stadtsäckel gab die erforderlichen 14 000 Taler nicht her. Der Großherzog sah aber die Notwendigkeit ein und unterstützte das Vorhaben.

Auf der Esplanade entstand die erste Bürgerschule (heutige Georgenschule), die 1825 eingeweiht worden ist. Johann Wolfgang von Goethe hatte ein Wort bei der baulichen Gestaltung mitgeredet. Bis auf eine Stadtviertelschule für die kleinen Kinder in Fischbach sind alle anderen Schulen aufgelöst worden. 859 Schüler wurden in der ersten Bürgerschule – getrennt nach Geschlechtern – unterrichtet. Doch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts platzte das Haus aus allen Nähten. In einem Bericht beklagt der damalige Schuldirektor „Rohheit und Stumpfsinn“ bei einem Drittel in jeder Klasse. 100 Schüler wurden in einem Raum unterrichtet. Die Konsequenz war die Einrichtung einer zweiten Bürgerschule am Jakobsplan. Das Gebäude steht nicht mehr. Hauptsächlich sind dort Kinder unterrichtet worden, deren Eltern das Schulgeld nicht bezahlen konnte. Das Lehrerseminar wurde an diese Bürgerschule verlegt.

Die Lateinschule entwickelte sich in dieser Zeit zu einem humanistischen Gymnasium mit den Schwerpunkten: klassische Sprachen, Schreibart, Vortrag, Geschichte, Philosophie und Mathematik. Die Schülerzahlen, so wies Barbara Schwarz hin, sind zurückgegangen. Das Bürgertum wollte nicht unbedingt, dass seine Kinder die Voraussetzung erwarben, an einer Universität zu studieren. Sie sollten lesen, schreiben, rechnen sowie praktische Fähigkeiten fürs Berufsleben lernen. So bildete sich eine Realschule, die schnell zu einem Realgymnasium wurde. Daraus entwickelte sich das heutige Ernst-Abbe-Gymnasium. Der Schwerpunkt lag auf den Naturwissenschaften. Der erste Direktor der Realschule sicherte sich beim Stadtrat ein Rederecht zu Schulthemen sowie die Unterstützung von 600 bis 700 Talern.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es zwei Bürgerschulen, zwei Gymnasien, das Lehrerinstitut sowie eine Reihe von Fortbildungseinrichtungen als Vorläufer beruflicher Schulen. Eine Besonderheit war die Industrieschule für junge, schulentlassene Mädchen aus armen Verhältnissen. Dort kommt Julie von Bechtolsheim, die Goethe-Vertraute, ins Spiel. Sie war die Vorsitzende des Frauenvereins, der die häusliche Ausbildung finanzierte. Der Frauenverein betrieb dank Spenden auch den ersten Kindergarten, damals „Kleinkinderschule“. Auch dafür hatte der Stadtrat kein Geld.

Nächster Vortrag am 6. März, 18.30 Uhr, Nachbarschaftszentrum, zu „Afrika und August Stauch“.

Birgit Schellbach / 08.02.18