Geschichtsverein Eisenach e.V. © zuletzt geändert am :  13.06.2017 / 14:38 Uhr   | Impressum

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Wenn jedes Jahr am 1. September um 20.45 Uhr die Glocken der Eisenacher Georgenkirche läuten, soll an ein tragisches Unglück erinnert werden, das die Stadt im wahrsten Sinn des Wortes erschüttert hat.

Am Abend des 1. September 1810 rollte ein französischer Munitionstransport von Gotha kommend in Richtung Westen. Napoleon ließ nicht mehr benötigtes Pulver und Granaten in 13 Wagen nach Frankreich zurücktransportieren. Entgegen geltender Sicherheitsbestimmungen wurden die Wagen durch die Stadt Eisenach geführt und nicht an ihr vorbei, was verhängnisvolle Folgen hatte. Als 3 Wagen die Georgenstraße

erreicht hatten, kam es, da wo die Alexanderstraße abzweigt,

zu einer gewaltigen Explosion. Möglicherweise hatte ein durch Hufschlag eines Pferdes entstandener Funken ausgereicht, um dieses verheerende Unglück auszulösen. Nicht nur die 3 beladenen Munitionswagen detonierten, mehr als 60 Eisenacher verloren ihr Leben, 5 Gothaer Fuhrleute und 9 Franzosen traf es ebenso. Einige Häuser stürzten sofort ein, 24 brannten nieder und viele weitere wurden schwer beschädigt.


Und doch: Glück im Umglück! Die anderen 10 Munitionswagen sind durch einen in der Judengasse (heutige Karlstraße) auf den Weg gefallenen Getreidesack aufgehalten worden. Die Pferde, durch die Explosion betäubt, mussten von den Strängen geschnitten werden. Geistesgegenwärtig schoben und zogen mutige Bürger die gefährliche Fracht aus der Stadt und bewahrten sie vor noch größeren Schäden.


Durch Notschüsse aus der Alarmkanone der Wartburg und reitende Boten eilten Feuerwehrleute aus der nahen und weiteren Umgebung herbei. Die Gothaer schaffte den Weg sogar in knapp zwei Stunden. Auch auf der Wartburg gab es nicht nur geborstene Fensterscheiben. Der Kanonier hatte 33 Schüsse abgegeben, beim 34. sprang das Rohr und zerschmetterte ihm das Bein.

Am Tag nach dem Unglück wurde ein damals unpassierbarer Weg um die Stadt wieder instandgesetzt. Gefährliche Fuhren konnten nun um die Stadt geleitet werden. Späte Einsicht!


Das Unglück fand überregionale Beachtung. Neben deutschlandweiten Sammlungen für die Betroffenen, stiftete Napoleon selbst 32. 000 Taler und auch in England wurde sogar noch nach 1815 für die Opfer gespendet.


Die Häuser an der Stelle, wo das Unglück geschah, wurden nicht wieder aufgebaut. Zum Gedenken an diese furchtbare Katastrophe wurde im Jahr 1817 der so genannte "Schwarze Brunnen" errichtet, der 1910 seine jetzige Gestalt erhielt.



Am 200. Jahrestag dieses Ereignisses luden die Mitglieder des Eisenacher Geschichtsvereins,

Otto-Wilhelm Könitzer, Sabine Wagner und Helga Stange gemeinsam mit ihren Stadtführer-Kolleginnen Ina Conrad und Petra Heym zu einer besonderen Stadtführung ein. Unterstützt wurden sie dabei von Rolf-Dieter Lang vom Eisenacher Schützenverein.


Als "Augenzeugen" in historischen Kostümen führten sie ihre Gäste auf dem Weg durch die Stadt, den auch die Pulverwagen genommen hatten und erinnerten dabei an die Tragik und wundersame Errettung der Eisenacher. Auf dem alten Friedhof wurde der zahlreichen Opfer gedacht. Am Gedenkstein der Julie von Bechtolsheim legten sie eine weiße Rose nieder.


Die Führung war unentgeltlich. Es wurde aber um eine Spende für einen sozialen Zweck gebeten.

Die Beteiligten rundeten den eingegangenen Betrag auf, sodass eine Summe von 100 € zusammenkam.

Während der Eröffnungsveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. 09. 2010, wurde diese Spende an den Kinder- und Jugendclub in der alten Posthalterei übergeben.

Außerdem erklärten sich die Gästeführer bereit, für die Kinder während der nächsten Ferien eine kostenlose Stadtführung anzubieten.


Mi  01.09.2010 12:00

200 Jahre Pulverexplosion zu Eisenach