Geschichtsverein Eisenach e.V. © zuletzt geändert am :  28.02.2021 / 16:38 Uhr   | Impressum

Hoch über der Stadt und dem Ankommenden schon bald ins Auge fallend, steht eines der größten Einzeldenkmale Eisenachs: das Burschenschafts-denkmal. Gewidmet ist es den Angehörigen der verschiedenen deutschen Burschenschaften, die in den Kriegen, welche Preußen und Deutschland gegen Dänemark, Österreich und Frankreich zwischen 1864 und 1870 um die Herstellung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates führte, gefallen sind. Die Traditionen, die die Burschenschaften mit Eisenach verbinden, reichen allerdings schon in den Oktober 1817 zurück. Damals versammelten sie sich am Fuß der Wartburg, um hier ihre Forderung nach der Schaffung eines einheitlichen deutschen Staates zu postulieren. Seit dem kamen sie mit ziemlicher Regelmäßigkeit hierher zurück, um ihre Jahrestreffen in Eisenach durchzuführen.

In den Achtzigern des 19. Jahrhunderts entstand die Idee für das Denkmal. Das Hauptproblem war die Beschaffung des Geldes. Jahrelang wurde gesammelt; mancher architektonische Entwurf gesichtet und wieder verworfen. Am 8. Juni 1897 legte man auf dem Wartenberg den Grundstein für das Denkmal. Hier hatten sich bereits 1817 die Burschenschafter versammelt. Später verwarf man den Standort aber wieder. Als Alternative bot sich die Göpelskuppe, im Besitz der Eisenacher Unternehmerfamilie Bornemann, an. Und hier begannen schließlich 1900 die Bauarbeiten nach den Entwürfen des Dresdener Architekten Wilhelm Kreis. Fertiggestellt war das Monument 1902. Die Bauarbeiten realisierte die Eisenacher Firma Gustav Stein. Die Innenausgestaltung lag in den Händen mehrere Künstler. Das Deckengemälde und die Fenster schuf Otto Gussmann, die heute nicht mehr vorhandenen Statuen im Inneren (Kaiser Wilhelm I., Kanzler Otto von Bismarck, Großherzog Carl August sowie die Generale Moltke und Roon) wurden von Selmar Werner, August Hudler und Hermann Hosaeus modelliert.

Der Bau bildet einen klassischen Rundtempel. Neun dorisierende Säulen von fast 14 Metern Höhe symbolisieren die einzelnen Burschenschaften. Im oberen Teil sind in Halbplastik die Köpfe Armin des Cheruskers, Karls des Großen, Martin Luthers, Albrecht Dürers, Johann Wolfgang von Goethes und Ludwig van Beethovens zu sehen.

Eine wechselvolle Geschichte prägte das am 22. Mai 1902 eingeweihte Denkmal in der Folgezeit. Erhielt es 1933 an seinem Fuß eine weitere Gedenkstätte, die, an die gefallenden Burschenschafter des Ersten Weltkrieges erinnernd, 1945 teilweise beseitigt wurde, so vermochte man nach 1945 lange Zeit nichts rechtes mit dem Bau anzufangen. Inhaltlich wollte man sich nicht mit dem Gedankengut der Burschenschaften identifizieren, und so gab es Pläne, das Denkmal abzureißen oder zu einer Sternwarte umzugestalten. 1991 erhielten die Burschenschaften das Denkmal wieder zurück. Seit dem wurde es schrittweise saniert. Heute bildet es einen wichtigen, aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenkenden Anziehungspunkt sowohl für Gäste Eisenachs wie auch für die Einheimischen selbst.


Das Burschenschaftsdenkmal

Herzlich willkommen beim Geschichtsverein Eisenach e.V.


Sehr geehrte Mitgliederinnen und Mitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,


vorbehaltlich der aktuellen Corona-Entwicklung, planen wir folgendes Programm im ersten Halbjahr 2021. Bitte informieren Sie sich vorher hier oder in der Presse, ob diese geplanten Veranstaltungen tatsächlich stattfinden können.


Datum:  voraussichtlich im Mai, bitte immer wieder unsere Webseite aufrufen

Thema:  Im Vorhof der Macht: Die Reichspolitik der letzten ludowingischen

   Landgrafen von Thüringen (1217-1247)

Vortrag von: Gramsch-Stehfest, Jena / fällt leider im Mai aus !!!


Datum:  voraussichtlich im Mai, bitte immer wieder unsere Webseite aufrufenThema:  Jahresversammlung und Vortrag: 101 Jahre Gründung Thüringen,    100 Jahre Landesverfassung.

Vortrag von:  Kellner, Eisenach / fällt leider im Mai aus !!!


Datum: voraussichtlich im  Juni, bitte immer wieder unsere Webseite aufrufen

Thema:  Frauen im Bauhaus

Vortrag von: Siebenbrodt, Weimar


Die zweite Jahreshälfte ist ab 07.09.2021 geplant, mit einem Vortrag zu aktuellen Ausgrabungen in Eisenach, von Müller-Stückrad

Wir trauern um unser Ehrenmitglied Karl-Heinz Dietze

 

Vielen Eisenachern, ehemaligen Schülern und Geschichts-Interessierten ist er in guter Erinnerung. Unzählige Vorträge und Artikel zur Eisenacher Geschichte hat er uns hinterlassen. Auch sein Leben selbst war von den Ereignissen der Thüringer Geschichte geprägt.

Geboren wurde er 1929 in Altenburg und erlernte den Beruf eines Werkzeugmachers. Im Februar 1945, mit 16 Jahren, wurde sein Jahrgang noch zur Wehrmacht eingezogen. Ausgebildet für den Fronteinsatz wurde er bei Weimar von den SS-Wachmannschaften des KZ Buchenwald, die selber nie an der Front waren. Doch sein Einsatz war nur von kurzer Dauer. Nach einer Verwundung nahm ihn ein farbiger GI gefangen, der über den „Little-Hitler-Supermann“, mit seinem viel zu großen Stahlhelm, lachte. In der Nacht entwischte Karl-Heinz aus einer Scheune und kam wieder nach Hause.

Gegen den Willen seines Betriebes meldete er sich Ende der 40er Jahre zur Ausbildung als „Neulehrer“. So kam er 1950 nach Eisenach, im selben Jahr hatte er seine Johanna geheiratet. Ab 1955 war er, in dem Gebäude des heutigen Elisabeth-Gymnasiums, kurz Direktor des Instituts für Lehrerbildung. Danach, am selben Ort, Direktor der 10. POS „Dr. Theodor Neubauer“. In Zusammenarbeit mit Eltern und Schülern gab es viele Probleme zu lösen, so war Toilettenpapier auch damals des Öfteren knapp. Die Organisation des Schulbetriebes war nicht einfach. So kam er vor ein Parteigericht, weil er mit Hilfe der Patenbrigaden der Schule eine Heizkessel organsierte. 1984 gehörte er zu den Gründern der Arbeitsgemeinschaft „Eisenach Geschichte“, beim hiesigen Kulturbund, aus der 1990 der Geschichtsverein Eisenach hervorging. Nach 35 Jahren an seiner geliebten Schule ging er Ende 1990 in Pension.

Kurz nach seiner Pensionierung erkrankte er schwer an einer Nervenlähmung. Doch mit Stock und eisernem Willen kämpfte er sich zurück. Immer gern seinen Lieblingsdichter Baron Freiherr von Münchhausen zitierend. Als Stadtführer, Verfasser unzähliger Artikel und im Vorstand des Geschichtsvereins, war er unermüdlich im Einsatz. Selbst auf Urlaubsreisen war immer in Sachen Geschichte unterwegs und immer ein kurzweiliger Gesprächspartner, voller Anekdoten. 2015 schied er aus dem aktiven Vorstand aus und wurde Ehrenvorsitzender des Geschichtsvereins. Im Oktober 2015 hielt er den letzten Vortrag im Verein, bevor das Alter seinen Tribut forderte. Von seiner Frau liebevoll gepflegt, endete am Freitag sein Leben.

Eisenach verliert damit eine wundervollen Zeitgenossen und Kenner der Geschichte.


Michael Kellner, Vorsitzender des Geschichtsverein, Eisenach den 22.03.2020